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Landesmuseum Münster bietet Begutachtung von Fund- und Erbstücken an

Mit einer Silberdose und einem -kännchen ist Rainer Murken der Familien-historie auf der Spur. Aufmerksam betrachtet Dr. Angelika Lorenz die beiden Schmuckstücke, versucht mit Hilfe einer Lupe die Marken am Boden zu entschlüsseln. Dann schüttelt sie bedauernd den Kopf. „Das sind echte Problemfälle“, sagt die Kunsthistorikerin, die die Abteilung „Gemälde und Kunsthandwerke der frühen Neuzeit“ im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster leitet.


Gemeinsamt mit zwei Kollegen steht die Expertin an diesem Mittwoch Besuchern zur Verfügung, die Gemälde und Graphik, Kunstgewerbe und Skulpturen vorstellen, sowie wissenschaftlich einschätzen lassen möchten. Häufig sind es Erbstücke, die Bürgerinnen und Bürger aus ganz Westfalen ins Museum bringen – und nicht selten schwingt die Hoffnung mit, dass es sich gerade bei diesen „Schätzchen“ um wertvolle Originale bekannter Künstler handeln könnte...

 

Erwartungsvoll hat auch Astrid Lepold einen Termin vereinbart. Sie hat August Mackes „Hutladen“ mitgebracht, lebendig in den Farben und ganz detailgetreu gemalt. Doch Dr. Erich Franz, zuständig für die klassische Moderne und stell-vertretender Direktor des Landesmuseums, ist nach einem kurzen Blick sicher: „Das ist eine Kopie.“ Eine ziemlich grobe dazu, auch wenn die Reproduktion tatsächlich nach dem Original – zu sehen im Essener Folkwang-Muse-um – angefertigt worden sei. „Macke hat viel lebendiger gemalt“, sagte der Experte und zieht zum Vergleich eine Katalogabbildung heran. Der Unterschied ist auffällig und gravierend zugleich. Astrid Lepold ist überzeugt - und trägt das Urteil mit Fassung.


Rainer Murken ist indes um ein „Puzzleteil“ seiner Familiengeschichte reicher. Er weiss jetzt, dass Silberdose und –kännchen nach 1870 hergestellt wurden und somit zur Epoche des Historismus gehören. „Nach dem gewonnenen deutsch-französischen Krieg statteten sich alle, die es sich leisten konnten mit Silber aus“, berichtet Dr. Angelika Lorenz zum Hintergrund.


Zur Abrundung wird Rainer Murken jetzt noch im „Gotha“ recherchieren, um die Historie seiner bürgerlichen Familie, die in eine adelige eingeheiratet hat, schrittweise zu rekonstruieren. „Das ist wie eine Kriminalgeschichte, vor allem weil unser gesamter Nachlass im Zweiten Weltkrieg verbrannt ist“, erzählt er.

Durch Tücher gut geschützt und mit Kordeln fixiert, transportiert Ruth Wildermann in einem Kinderwagen zwei Gemälde ins Museum. „Ich finde es spannend, dass hier eine Sprechstunde stattfindet,“ sagt die Recklinghäuserin. „Anfang des 20. Jahrhunderts, entstanden, Gouache oder Ölfarbe, eher für dekorative Zwecke gemalt“, ordnet Dr. Erich Franz ein.


Spannender wird’s beim Zweiten, dessen deutliche Signatur den Künstler zweifelsfrei identifizieren: Hans Werdehausen, Mitbegründer der Gruppe „junger Westen“, bekannt u.a. durch seine Wandgemälde im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen.


„Das ist ein echter Werdehausen“, bestätigt der stellvertretende Direktor, schränkt jedoch ein: „Bei dem Bild handelt es sich nicht um ein wichtiges Werk.“ Für Privatsammler sei es interessant, für die Sammlung eines Museums eher nicht. Ruth Wildermann ist dennnoch zufrieden.

 

Einen Tisch weiter hat Annemarie Dieckmann einige „Schätzchen“ ausgebreitet. Sie ist sich fast sicher, dass die Urne mit der hebräischen Schriftrolle und die mit einem fließenden Gewand bedeckte Statue eines Mannes wertvoll sind – schließlich stammen sie aus dem Besitz einer Archäologin. Doch auch diese Hoffnung erfüllt sich nicht: „Das sind Repliken“, fasst Dr. Michael Henning in sein Urteil zusammen „Souvenirs, die man in Museen kaufen kann.“


Doch auch, wenn sich der Traum vom großen Fund und vom großen Geld nicht erfüllt: Am Ende eines jeden Beratungsgespräches ist die Frage nach dem Wert des Bildes, der Bonbonniere, der Skulptur nahezu obligatorisch – und bleibt unbeantwortet.


„Wir stellen die historischen und kunsthistorischen Bezüge her, nehmen aber keine finanziellen Einschätzungen vor“, betont Angelika Lorenz.


Allerdings verfügen die wissenschaftlichen Referenten über Adressen von Auktionshäusern und Galerien, die sie weitergeben. Ebenso helfen sie in der Bibliothek des Museums bei der Suche nach Literatur, die – sofern sich etwa Signaturen entziffern lassen – vielleicht Aufschluss über Leben und Werk der jeweiligen Künstler geben. Jenseits von dem Gedanken des Verkaufswert beginnt spätestens dann eine Spurensuche, die sich zu einer kleinen, ganz privaten Begegnung mit der Kunstgeschichte entwickeln kann.


Denn plötzlich erteilt Opas Erbstück, eigentlich doch schon hundert Mal gesehen und vielleicht sogar verschämt auf den Speicher verbannt, eine Lektion im „Sehen lernen“, öffnet unter Anleitung der Experten den Blick für Dimensionen, Motive und Farben, illustriert ganz eingängig scheinbar trockene Begriffe wie Stil und Technik, Entstehungszeit und Zustand. Und darüber hinaus bleibt zum Schluss die spannende Geschichte hinter der Geschichte: Auf welche Weise und unter welchen Umständen bloß hat der Großvater dieses Bild erworben, dass – nun nachweislich - in der zweiten Hälfte des 20. Jahr-hunderts in den Niederlanden gemalt wurde?

 

Recklinghäuser Zeitung  vom  9.Juni 2001 -  Wochenend-Journal

 

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© Rechtsanwalt und Notar Gisbert Bultmann