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 Alfred Nobel, Sprengstoff-Fabrikant und Stifter

 
   
   
 

 

Leben und Persönlichkeit

 

 

Alfred Nobel wurde 1833 in Stockholm als Sohn schwedischer Eltern geboren und zog im Alter von neun Jahren mit ihnen nach St. Petersburg, der damaligen Hauptstadt Rußlands. Er lebte danach in verschiedenen Ländern und betrach-tete sich selbst als Weltbürger. Trotzdem gab er seine schwedische Staatsbürgerschaft nie auf.

Alfred Nobel

Durch die Erziehung, die er in mehreren Ländern genossen hatte, las, sprach und schrieb Alfred Nobel fünf europäische Sprachen fließend: Schwedisch, Russisch, Englisch, Französisch und Deutsch.

Seine zahlreichen handgeschriebenen Briefe beweisen eine bemerkenswerte Fertigkeit in allen diesen Sprachen. Sein Französisch vervollkommnete er, als er Ende seines zweiten Lebens-jahrzehnts von seinem Vater nach Paris geschickt wurde, um Chemie zu studieren. Seine französischen Briefe sind besonders elegant, und während seine englischen Briefe manchmal Spuren jenes Stils des frühen 19. Jahrhunderts aufweisen, den man im allgemeinen mit Byron und Shelley (seinen beiden Lieblingsdichtern) in Verbindung bringt, sind sie bemerkenswert frei von grammatischen und idiomatischen Fehlern. An seine Mutter schrieb er immer auf Schwedisch, das auch die Sprache seines in Paris aufgesetzten Testaments ist.

Die Wissensgebiete, die von den in seinem Testament festgelegten Preisen herausgehoben wurden, spiegeln Nobels persönliche Interessen wider. Während er keine Preise für Architekten, Künstler, Komponisten oder Sozialwissenschaftler vorsah, war er großzügig gegenüber denjenigen, die in der Physik, der Chemie, der Physiologie und der Medizin arbeiteten — Fächer, die er selbst am besten beherrschte und in denen er die größten Fortschritte erwartete.

Sein Leben lang litt Nobel unter schlechter Gesundheit und fuhr oft zu Kuren in Kurbäder, „weniger, um den Brunnen zu trinken als sich auszuruhen". Er erwartete jedoch große Verbesserungen in der Medizin, und die Wissenschaft hat seitdem viele von ihnen möglich gemacht. Einmal stellte er einen jungen schwedischen Physiologen in Paris ein, um seine eigenen Theorien über die Bluttransfusion testen zu lassen. Diese Bestrebungen führten zwar nicht zum Erfolg, aber die mit der Bluttransfusion verbundenen Probleme wurden später von einem Österreicher, Karl Landsteiner, gelöst, der 1930 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt.

Der Literaturpreis spiegelt ebenfalls die persönliche Vorliebe des Stifters wider. Von seiner frühen Jugend an war er Schriftsteller und ein eifriger Leser; viele seiner auf Schwedisch geschriebenen Jugendgedichte hat er allerdings später vernichtet. Er hob jedoch ein langes autobiographisches Gedicht in englischer Sprache auf und schenkte engen Freunden gelegentlich Abschriften davon.

Er war zeit seines Lebens ein „allesfressender" Leser von Büchern in den ihm bekannten Sprachen. Was er mit der Forderung „idealistische Richtung" in seinem Testament meinte, wird klar, wenn man sich seine Lieblingsbücher und -autoren ansieht. Im Jahre 1895, als er sein letztes Testament aufsetzte, schrieb er auch enthusiastische Briefe über Schriftsteller, darunter die Schrift-stellerin Selma Lagerlöf aus Schweden, die im Jahre 1909 als erste Frau den Nobelpreis für Literatur erhielt.

Ebenso persönlich motiviert war der Nobelpreis für Friedenschaffende, und seine besondere Empfehlung für „Veranstalter und Förderer von Friedenskongressen" zeigt, daß er an die mit ihm befreundete Baronin Bertha von Suttner aus Österreich dachte, deren Friedenskongresse in Rom und Bern er finanziell unterstützt hatte. Zwar hatte er sich schon lange mit dem Problem des Friedens beschäftigt, ehe er Bertha von Suttner zum ersten Mal traf, aber sie stimulierte sein Interesse zweifellos noch mehr. 1905 bekam Bertha von Suttner den Friedensnobelpreis.

Eine oft gestellte Frage lautet: „Warum wurde Norwegen ausgewählt, um den Friedensnobelpreis zu verleihen?" Nobel selbst gab dafür keinen Grund an. Schweden und Norwegen waren zu Nobels Lebzeiten noch in einer Union vereinigt, die 1905 friedlich aufgelöst wurde. Als Nobel sein Testament schrieb, kann es nur zu natürlich für ihn gewesen sein, die Verantwortung für die Preisverleihung den beiden Teilstaaten seines Vaterlandes zu übertragen. Eine weitere Ursache mag auch seine Bewunderung für den großen norwegischen Dichter und Patrioten Björnstierne Björnson, den Literaturpreisträger von 1903, gewesen sein.

 

Die Nobelpreise

 

 

Die Erfahrung hatte Alfred Nobel gelehrt, Rechtsanwälten zu mißtrauen und Abneigung gegen sie zu hegen. So setzte er Ende 1895 ohne juristischen Rat und Beistand sein endgültiges Testament auf. Dieses Testament, das zwei vorherige, in den Jahren 1889 und 1893 geschriebene, ersetzte, schrieb vor, daß das Einkommen aus seinem Vermögen, das 1896 bei seinem Tode 33,2 Millionen SEK betrug, jährlich in fünf gleiche Teile geteilt werden sollte und „in der Form von Preisen an jene" verteilt werden sollte, „die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben."

Er schrieb vor, die Preise folgendermaßen zu verteilen: „Je ein Teil dem- oder denjenigen, die auf dem Gebiet der Physik die wichtigste Erfindung oder Entdeckung gemacht haben, demjenigen, der die wichtigste chemische Entdeckung oder Verbesserung gemacht hat, demjenigen, der die wichtigste

Entdeckung auf dem Gebiet der Physiologie oder der Medizin gemacht hat, demjenigen, der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealistischer Richtung hervorgebracht hat, demjenigen, der am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat und für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen."

Sein Testament schreibt auch vor, daß bei der Verteilung der Preise „keine Rücksicht auf irgendeine Nationalität genommen werden sollte, so daß der am meisten Verdiente einen Preis erhält, gleichgültig ob er Skandinavier ist oder nicht."

Juristisch betrachtet vermachte das Testament das Vermögen jedoch niemandem, und als es im Januar 1897 eröffnet wurde, wurde es von einigen von Nobels Verwandten stark angefochten.

Der große Reichtum Alfred Nobels ist letztendlich darauf zurückzuführen, daß er die Eigenschaften des scharfsinnigen Wissenschaftlers und des weitsichtigen und dynamischen Unternehmers in sich vereinte. Die Grundlage seines Vermögens bilden seine Erfindungen. Bei seinem Tode 1896 war Alfred Nobel Inhaber von insgesamt 355 Patenten, die wiederum zur Grund-lage für Industriebetriebe an mehr als 90 Standorten in 20 Ländern zu Lebzeiten Nobels wurden.

In seinem Testament verfügte Alfred Nobel, daß der überwiegende Teil seines Vermögens in „sicheren" Wertpapieren als Fonds angelegt werden sollte. Vor allem durch den Verkauf seiner Unternehmen in Großbritan-nien, Frankreich, Deutschland, Schweden und Rußland wurden 31,5 Millionen SEK (heute etwa 1,5 Milliarden Euro) für die Gründung der Nobelstiftung aufgewandt. Diese Stiftung hat keine Verbindung mit den Unternehmen in der ganzen Welt, die noch heute den Namen Nobel tragen.


Vollständiges Testament in englischer Sprache 

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© Rechtsanwalt und Notar Gisbert Bultmann