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Wien, Berggasse 19

14. Mai 2018

 

Was können Juristen von Sigmund Freud lernen?

Zum Beispiel seine Eisberg-Theorie verstehen: Der ragt nur Das Wohnhaus Freud´szu 10 Prozent aus dem Wasser heraus.

Der Mensch ist zu 10 Prozent von seinem Verstand, zu 90 Prozent von seinen Gefühlen und Trieben geleitet...

Der Jurist spricht aber stets nur "die 10 Prozent" des Menschen an. Vielleicht ist das noch zu hoch gegriffen,

Die berühmte Couch...

wenn es um Leben und Tod geht, um Vorsorge bei Krankheit, Alter und Leid,

selbst in Vermögensfragen - beim Testament !

Ein Grund, weshalb so wenige ein Testament  machen ?

Und: Sigmund Freud war ein Meister des Zuhörens.

Stundenlang ließ er seine Patienten auf der berühmten Couch im Hause Berggasse 19 in Wien reden und reden. Erst danach redete er.

Juristen lieben es gerade umgekehrt:

Zwar sagt zum Beispiel § 17 Beurkundungsgesetz, die "Magna Charta" des Notars, er habe den Willen der Beteiligten zu "erforschen", den Sachverhalt zu klären

und ihre Erklärungen klar und unzweideutig wiederzugeben; besonders gern aber widmet sich der Notar der Aufgabe,  "über die rechtliche Tragweite" zu "belehren".

 

Ja belehren, das tun wir am allerliebsten (auch am allerbesten?).

Allerdings verpuffen unsere Bemühungen weitgehend - siehe  oben, den Eisberg - , die Menschen nehmen unsere Belehrungen einfach nicht an, was uns zu Arroganz - und Zynismus veranlaßt.

Weswegen Juristen folgerichtig "sehr geliebt" werden, was die wiederum gar nicht verstehen können, wo sie doch "so toll" sind...

So entsteht Haß-Liebe: Man geht  lieber zum Zahnarzt als zum Anwalt, möchte aber oft so sein wie ein schneidiger Advokat.

Solche Ungereimtheiten zu erklären, ist wohl eines der Verdienste des Seelenforschers Freud.

  

 

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© Rechtsanwalt und Notar Gisbert Bultmann